„Zeit für normales Maß“: Powell: Kein Bedarf für mehr starke Stimuli

Dienstag, 11. Januar 2022


„Zeit für normales Maß“

Powell: Kein Bedarf für mehr starke Stimuli

Aus der Erwartung wird zunehmend Gewissheit: Die US-Notenbank steht vor der Zinswende. Die hohe Inflation und Ungleichgewichte am Markt sind für Fed-Chef Powell Grund genug, die Niedrigzinsphase zu beenden. Zwar hält er sich eine Hintertür offen. Doch weitere Notenbank-Mitglieder lassen wenig Raum für Zweifel.

Der Chef der US-Notenbank ist bereit, zur Abkühlung der Wirtschaft die Zinsen zu erhöhen. Die Wirtschaft brauche keine aggressiven Stimuli mehr, sagte Jerome Powell bei seiner Nominierungsanhörung vor dem zuständigen Senatsausschuss. Aber die Notenbank werde Zeit brauchen, um die Zinsen auf das Niveau von vor der Pandemie zu hieven. Dass die Verbraucherpreise so weit über den Zielwert von zwei Prozent hinausgeschossen seien, belege, dass es keinen Bedarf mehr für die „sehr konjunkturstimulierende Geldpolitik“ gebe. „Es ist an der Zeit, diese Notfall-Maßnahmen auf ein normales Niveau zu bringen“, sagte er weiter. „Von dem Punkt, an dem wir usabefinden, ist es ein weiter Weg in Richtung usual.“

Die Federal Reserve (Fed) werde ihre milliardenschweren Anleihekäufe im März abschließen und danach „den Leitzins im Lauf des Jahres erhöhen“, sagte Powell. Später im Jahr solle dann auch rasch die Bilanz der Fed abgebaut werden. Ein weiteres Mitglied der US-Notenbank, Loretta Mester, signalisierte die erste Zinserhöhung bereits für März. „Ich denke, es spricht viel dafür, die Lockerungsmaßnahmen zurückzufahren“, sagte die Präsidentin der regionalen Notenbank von Cleveland dem Sender Bloomberg Tv. Falls die wirtschaftliche Entwicklung im März so aussehe wie jetzt, würde sie eine Leitzinsanhebung befürworten.

Mit Esther George sprach sich ein drittes Mitglied der Zentralbank für eine rasche Kurswende in der Geldpolitik aus. „Obwohl die Pandemie das Wirtschaftsgeschehen weiter beeinflusst, ist die Zeit gekommen, die Geldpolitik von der momentanen Krisenhaltung im Interesse der langfristigen Stabilität zu einer normaleren Space zurückzuführen“, sagte die Präsidenten der regionalen Notenbank von Kansas einem Redetext zufolge. Sie forderte ebenfalls, dass die Fed ihre wegen der Krisenmaßnahmen angeschwollene Bilanz von mehr als acht Billionen US-Greenback reduzieren müsse. Ähnlich äußerte sich auch der Chef der Atlanta-Fed, Raphael Bostic.

„Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot“

Powell, der wohl eine zweite Amtszeit als Notenbankchef bekommt, zeigte sich bei der Senatsanhörung zudem optimistisch, dass sich die Engpässe in den Lieferketten entspannen, used to be dazu beitragen werde, die Inflation zu senken. Die Fed werde ihre Instrumente nutzen, „um zu verhindern, dass sich die erhöhte Inflation verfestigt“, sagte der 68-Jährige. Er hoffe, dass sich die Bedingungen auf der Angebotsseite dieses Jahr normalisieren. „Wenn wir sehen, dass die Inflation länger als erwartet auf dem hohen Niveau bleibt und wir die Zinsen im Laufe der Zeit weiter anheben müssen, werden wir das tun“, fügte Powell hinzu. „Wir haben eine Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot. Wir haben eine sehr starke Nachfrage in Bereichen, in denen das Angebot begrenzt ist“, sagte er und nannte als Beispiel den Automobilsektor.

Die zentrale Frage für die Fed sei, wie diese beiden Seiten besser in Einklang zu bringen seien, so der Notenbanker. „Ein Teil dieser Antwort wird in Verschiebungen der Nachfrage bestehen.“ Die Fed senkt üblicherweise die Zinsen, um die Nachfrage zu befeuern und das Wachstum anzukurbeln, und sie erhöht sie, um die Wirtschaft zu verlangsamen und die Nachfrage zu begrenzen.

Powell und seine Kollegen hatten bei ihrer Sitzung im Dezember drei Zinserhöhungen um jeweils einen Viertelprozentpunkt für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Sie hatten signalisiert, dass diese Erhöhungen im März beginnen könnten. Es wäre die erste Zinserhöhung seit Beginn der Pandemie. Allerdings hingen die Entscheidungen der Notenbank weiter von aktuellen Wirtschaftsdaten ab, schränkte Powell ein. Es gebe sowohl beim Wachstum als auch bei der hohen Inflationsrate mögliche Risiken, die die Fed berücksichtigen müsse. Die Fed ist den Zielen der Vollbeschäftigung und der Preisstabilität verpflichtet.

Schweigephase beginnt

Die nächste Sitzung der Notenbanker soll am 26. Januar enden. Die Top-Vertreter der Notenbank äußern sich normalerweise ab zwei Wochen vor der Sitzung nicht mehr öffentlich. Die jetzigen Äußerungen bezüglich eines strafferen geldpolitischen Kurses kamen damit unmittelbar vor der Schweigeperiode. Beobachter rechnen bei der Januar-Sitzung mit Signalen für die im März bevorstehenden Entscheidungen des Zentralbankrats.

Aktuell liegt der Leitzins in der Spanne von 0 bis 0,25 Prozent. Die US-Teuerungsrate ist im November auf 6,8 Prozent geklettert – der höchste Wert seit 1982. Für die am morgigen Mittwoch anstehenden Daten für Dezember erwarten Experten einen Anstieg auf dann 7,0 Prozent. Aus der Corona-Krise resultierende Lieferprobleme, Materialengpässe und geradezu explodierende Energiekosten heizen die Inflation an. Durch die umfangreichen Anleihenkäufe ist sie auf mehr als 8,7 Billionen Greenback angewachsen.

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Von admin

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