Yogeshwar bei Illner: „Mit Impfpflicht kommen wir Ziel nicht näher“

Nun ist auch Maybrit Illner aus ihrer kurzen Winterpause zurück. Und natürlich diskutieren ihre Gäste über das Thema, das im 2d allen auf den Nägeln brennt: Wie kommen wir aus der Corona-Krise hinaus? Es herrscht vorsichtiger Optimismus.

Corona nimmt weiter Fahrt auf, die Omikron-Variante ist auch bei u.s.a.vorherrschend. Ihr Anteil liegt laut dem Robert-Koch-Institut jetzt bei 73,3 Prozent. Diese Variante ist zwar deutlich ansteckender, aber auch schwächer. Damit kommen neue Aufgaben vor allem auf Krankenhäuser zu. Könnte dies nun den Anfang vom Ende der Krise einläuten? Eine Frage, der sich auch die Gäste bei Maybrit Illner im ZDF am Donnerstagabend widmen. Sicher ist es noch zu früh, verlässliche Botschaften auszusenden. Doch ganz leise dringt Optimismus durch. Es gibt jedoch ein Advise, das sich durch die ganze Sendung zieht: Die niedrige Impfquote in Deutschland. Dennoch hatte Virologe Christian Drosten vor kurzem angekündigt, man könne jetzt „einige Türen öffnen.“

Das hat die Staatsregierung in Bayern offenbar ernst genommen. Im Freistaat wird die 2G-Plus-Regel im Gastronomiebereich nicht umgesetzt. Die Türen, die dort schon seit Wochen für geimpfte, aber nicht getestete Gäste offen standen, werden nicht geschlossen. Bayern bleibe damit im Team Vorsicht und Augenmaß, hatte Ministerpräsident Markus Söder von der CSU diesen Schritt begründet und gleichzeitig vor Hysterie und Panik gewarnt.

„Vorsicht und Augenmaß schließen sich nicht aus“, verteidigt auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek bei Illner die Entscheidung. Man müsse jetzt genau hinschauen, welche Maßnahmen notwendig seien. Und: „Ich schließe nicht aus, dass 2G-Plus in Eating areas noch kommt.“

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig von der SPD kann die Entscheidung in Bayern nicht verstehen. „Ich staune, dass Bayern das macht“, sagt sie. Immerhin habe Bayern noch vor kurzem Patienten in andere Bundesländer ausfliegen müssen. Sie finde es besser, „Wenn wir überall die beschlossenen Regeln durchziehen.“

Trotz schwächerem Krankheitsverlauf infizierten sich jetzt viel mehr Menschen, fügt Schwesig hinzu. Durch die Omikron-Variante könnten auch viele Menschen in Krankenhäusern ausfallen. „Das Gesundheitssystem darf nicht überlastet werden“, so Schwesig.

„Das Virus hat sich verändert“, sagt auch Virologin Melanie Brinkmann, „Und der Wirt hat sich verändert“, fügt sie hinzu. Es sei eine gute Nachricht, dass in Deutschland viele Menschen immunisiert seien. Allerdings wirke der vorhandene Impfstoff nicht so intestine gegen Omikron. In anderen Ländern beobachte man, dass die Patientenzahlen auf den Intensivstationen sinken. Das gelte für Länder mit höherer Impfquote als bei uns. Fazit: „Man kann hier die Tür ein bisschen öffnen, in anderen Ländern kann man sie weiter öffnen.“

„Impfquote wurde ein Stück weit geschätzt“

Bei der Planung von Corona-Maßnahmen müssen Politik und Wissenschaft eine Hürde überwinden: Die Ungenauigkeit der Zahlen. Das ist auch Bayerns Gesundheitsminister klar. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir bei der Datenlage immer wieder auf Schätzungen angewiesen sind“, klagt er. Als Beispiele führt er an: „Ob das jetzt die Impfquote ist, die ein Stück weit geschätzt wurde, oder ob wir Meldelücken bei der Hospitalisierung haben.“ Die Datenlage müsse präziser werden, ist Holetscheks Wunsch.

Virologin Brinkmann hat die Lösung parat: Seit 2003 gebe es die elektronische Gesundheitskarte, jetzt müsse schnell die elektronische Gesundheitsakte her, fordert sie. Die Daten lägen schon vor, sagt sie. Die müssten jetzt zusammengefügt werden und dorthin gelangen, wo andere schnell darauf zugreifen, sie verwerten und dann valide, effizienzbasierte Daten an die Politik geben können.

Auch Physiker und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist entsetzt. „Das ist absurd“, beklagt er die Tatsache, dass wichtige Entwicklungen zu spät gemeldet werden. „Die Kanzlerin hat vor knapp zwei Jahren gesagt, das Virus habe keine Feiertage, aber die Zahlen am Sonntag offenbar schon. Da muss jetzt irgendein Ruck durch Deutschland gehen“, Fordert der Wissenschaftler.

„Wer in Berlin Führung reklamiert, der muss jetzt auch ein Gesetz vorlegen“

Doch das wichtigste Advise ist und bleibt, dass in Deutschland zu wenig Menschen geimpft sind. Ob er deswegen für eine Impfpflicht sei, fragt die Moderatorin den Journalisten Ranga Yogeshwar. Der winkt ab. „Ich würde mir wünschen, dass wir kreativer wären. Der hier eingeschlagene Weg ist eine Sackgasse. Wir gehen in eine Spaltung, die nicht intestine ist für die Sache.“ Und weiter: „Mit Impfpflicht kommen wir Ziel nicht näher“

Für Brinkmann ist klar: „Corona ist ein Virus, mit dem man sich besser nicht infizieren sollte.“ Über die Impfpflicht will sie sich zwar nicht äußern, sie warnt aber vor der Gefahr durch Omikron und verlangt nach Lösungen, um Maßnahmen wie zu Beginn der Coronakrise zu verhindern. Für den CSU-Politiker Holetschek ist klar, dass wir eine Impfpflicht brauchen, und zwar jetzt. „Und wer in Berlin Führung reklamiert, der muss jetzt auch ein Gesetz vorlegen – und das ist die Bundesregierung.“

Manuela Schwesig weist schließlich darauf hin, dass ja Ende Januar der Bundestag fraktionsübergreifend über die Impfpflicht diskutieren wird. Und wie geht es dann weiter? Drei Wochen danach kommt der Bundestag planmäßig erneut zusammen. Möglicherweise könnte dann schon eine Entscheidung fallen.

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Von admin

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