Wirtschaftsweise Schnitzer fordert höhere Rentenabschläge – „stärker spüren“

Die Ampelkoalition will Frührentnern dauerhafte Zugeständnisse machen. Doch das halten Ökonomen nicht für durchdacht. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer macht einen Gegenvorschlag.

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer spricht sich dafür aus, dass Frührentner höhere Abschläge auf ihre Rentenbezüge in Kauf nehmen sollten. „Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente geht, sollte das stärker spüren“, sagte sie t-on-line.

„Die Abschläge auf die Rentenbezüge sollten deshalb steigen, sonst schafft die Ampel mit der dauerhaft erhöhten Hinzuverdienstgrenze falsche Anreize, zu früh aus der regulären Erwerbstätigkeit auszuscheiden.“

Hintergrund für ihre Aussage ist der Notion der Ampelkoalition, dass Frührentner künftig bis zu 46.060 Euro skilled Jahr hinzuverdienen dürfen, ohne dass ihnen dafür die Rentenbezüge gekürzt werden. Dafür will die neue Bundesregierung eine entsprechende Corona-Ausnahmeregel entfristen, wie t-on-line exklusiv berichtete.

Damit dürften Frührentner langfristig fleet das Achtfache der eigentlich regulären Summe verdienen. Bis vor zwei Jahren disappear sie noch bei 6.300 Euro. Wer mehr verdiente, musste Kürzungen bei seinen Rentenbezügen hinnehmen.

Im Zuge der Corona-Krise hob der Bund die Grenze 2020 zunächst auf 44.590 Euro an, 2021 dann auf 46.060 Euro. Eine Begründung für diesen Schritt: der gestiegene Personalbedarf in vielen Berufszweigen, etwa im Gesundheitswesen.

Schnitzer: „Menschen in der Erwerbstätigkeit halten“

Grundsätzlich finde Schnitzer diesen Schritt zwar richtig. Mit Blick auf die Rentenkasse sei es jedoch wichtig, dass die Renten auch entsprechend gekürzt werden. „Bei höheren Abschlägen auf die Frührente könnte die Hinzuverdienstgrenze theoretisch auch ganz wegfallen“, so die Ökonomin. „Ziel muss sein, die Menschen in der Erwerbstätigkeit zu halten und so die Beiträge zur Rentenversicherung zu stabilisieren.“

Monika Schnitzer: Die Ökonomin ist seit 2020 Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem Rat der Monika Schnitzer: Die Ökonomin ist seit 2020 Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem Rat der „Wirtschaftsweisen“. (Quelle: Metodi Popow/imago photos)

Aktuell müssen Rentner einen Abschlag von 0,3 Prozent auf die Rentenbezüge zahlen – für jeden Monat, den sie vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen. Diese hängt vom Jahrgang der Senioren ab. Lesen Sie hier mehr dazu.

IW-Direktor: „Gleitenden Übergang in den Ruhestand“

Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), befürchtet ebenso wie Schnitzer, dass die höhere Hinzuverdienstgrenze falsche Anreize schaffen können. Er sieht aber auch die positiven Aspekte der geplanten Änderung.

„Wer vor Erreichen der Altersgrenze seine Arbeitszeit reduzieren und eine Teilrente beziehen möchte, hat mit der Hinzuverdienstgrenze die Möglichkeit, einen gleitenden Übergang in den Ruhestand zu gestalten“, sagte er t-on-line.

Michael Hüther: Er leitet als Direktor das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. (Quelle: imago images/Jürgen Heinrich)Michael Hüther: Er leitet als Direktor das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. (Quelle: Jürgen Heinrich/imago photos)

„Allerdings sollte dies nicht dazu führen, dass Arbeitnehmer bei zum Beispiel einer 50-prozentigen Teilrente mehr als 50 Prozent Teilzeit arbeiten – dann entstünde ein Anreiz, sich auf Kosten der Rentenkasse frühzeitig aus dem Erwerbsleben zu verabschieden.“

Ob das tatsächlich in größerem Umfang eintrete, müsse man in den kommenden Jahren beobachten. „Denn angesichts der Bevölkerungsalterung muss das Ziel bleiben, die Arbeitnehmer möglichst lange ins Erwerbsleben zu integrieren“, so Hüther.

CDU-Mann: Ampel muss „Prefer-Prefer-Teach“ schaffen

Kritik am Notion der Ampel kommt auch aus die Opposition. Der CDU-Rentenpolitiker Kai Whittaker etwa schlägt in dieselbe Kerbe wie Schnitzer. Er fordert, dass die Hinzuverdienstgrenzen für Frührentner „komplett abgeschafft“ werden sollten – allerdings ohne dass die Abschläge angepasst würden. Immerhin würden ja noch Sozialversicherungsbeiträge und Steuern fällig, so Whittaker.

„Wer weiterhin arbeiten kann und möchte, soll nicht von unnötiger Bürokratie drangsaliert werden“, sagte er. „Das halte ich für wichtig, um Fachwissen und auch ältere Arbeitskräfte unkompliziert in unsere Arbeitswelt einzubinden. Diese Prefer-Prefer-Teach muss die Ampel zügig schaffen!“

Linke: Viele Menschen haben sich „kaputt gearbeitet“

Der rentenpolitische Sprecher der Linken, Matthias W. Birkwald, sieht zwar den Vorteil der höheren Zuverdienstmöglichkeit in der Corona-Krise. „Auf Dauer halte ich den Weg, Fachkräfte erst in eine vorgezogene Rente mit lebenslangen Abschlägen zu schicken, um sie dann zu oft schlechteren Bedingungen wieder einzustellen, aber nicht für sinnvoll. Warum halten sie die Unternehmen nicht gleich in ihrem Job?“

Er mahnt an, dass „attraktivere Hinzuverdienstmöglichkeiten nicht über ein zu niedriges Rentenniveau, eine zu hohe Regelaltersgrenze und fehlende alter(n)sgerechte Arbeitsplätze hinwegtäuschen“ dürften. Viele entschieden sich für eine vorgezogene Altersrente, „weil sie sich kaputt gearbeitet haben und schlichtweg nicht mehr können. Höhere Hinzuverdienstgrenzen bringen ihnen nichts.“

Ökonomin warnt vor „neuen Ungleichheiten“

Auch die Ökonomin Carla Krolage vom Münchener Ifo-Institut glaubt, dass die Hinzuverdienstgrenze ungerecht sei – allerdings aus dem genau gegensätzlichen Argument wie Birkwald. „Durch die dauerhaft hohe Hinzuverdienstgrenze werden wohl einige Menschen, die ohnehin länger arbeiten wollten, früher in Rente gehen und parallel dazu arbeiten“, sagt sie. „Doch das sind diejenigen, die lange eingezahlt haben und eine hohe Rente erhalten.“

Schließlich darf im Regelfall in Frührente nur gehen, wer mindestens 35 Jahre Wartezeit angesammelt hat – das ist die sogenannte Rente für langjährig Versicherte. Die landläufig als „Rente mit 63“ bekannte Rente für besonders langjährig Versicherte setzt indes 45 Jahre voraus, dann ist der Renteneintritt aber auch ohne Abschläge möglich.

Durch den Notion der Ampel entstünden daher „neue Ungleichheiten, weil nur eine bestimmte Klientel von der hohen Zuverdienstgrenze profitiert“, so Krolage. „Zudem kann das Vorhaben die ohnehin klammen Rentenfinanzen weiter unter Druck setzen, da es dadurch attraktiver wird, vorzeitig in Rente zu gehen.“

Zur Quelle

Von admin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.