So etwas gibt’s nie wieder: Lexus LFA

Samstag, 01. Januar 2022


So etwas gibt’s nie wieder

Lexus LFA – aus einer anderen Epoche

Manche Autos müssen nicht das Youngtimer-Alter von zwanzig Jahren erreichen, um als Klassiker wahrgenommen zu werden. Der zehnzylindrige Lexus LFA battle es schon als Neuwagen. Jetzt hat er elf Jahre auf dem Buckel und erzählt aus einer automobilen Epoche, in der viele Dinge anders waren als heute.

Schleichend kommt der Wandel, und plötzlich ist alles anders. Wer als Mensch mit Autointeresse im Jahr 2010 eingeschlafen und jetzt wieder aufgewacht wäre, würde sich jedenfalls nicht schlecht umschauen. Allerorten Ladesäulen und Zylinderschwund bei den Verbrennern – aktuell weist der Sort, wie man weiß, auf batterieelektrische Autos hin. Nicht, dass es keine Acht-, Zehn- oder Zwölfzylinder mehr gäbe, und in einer Liga, wo die Luft ohnehin dünn ist, wo ein Sammlerauto gerne mal eine Million Euro und mehr kostet, gelten die Gesetze der Massenautomobilität sowieso nicht. Theoretisch könnte der LFA also noch einmal einen Nachfolger mit Saugmotor bekommen, schließlich hält ja auch Audi noch ein paar Jahre am Zehnzylinder-Sauger fest.

Allein der Toyotakonzern winkt ab, hat jüngst fünfzehn Zukunftsautos vorgestellt, worunter sich übrigens auch ein elektrischer LFA-Nachfolger befindet. Der vergangene Lexus LFA hingegen mit seinem 4,8 Liter großen Saugmotor kommt aus einer anderen Zeit. Aus einer Zeit nämlich, als Supersportwagen noch mit automatisierten Schalt- statt Doppelkupplungsgetrieben ausgerüstet wurden, wenn es denn schon Automatik sein musste.

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Für den Vortrieb des Lexus LFA sorgt ein gemeinsam mit Yamaha entwickelter 4,8-Liter-V10-Motor.

(Foto: Patrick Broich)

Dass der LFA kein Modell von der Stange sein würde, battle schnell klar. Sein aufwendig zusammen mit Yamaha entwickeltes 4,8-Liter-V10-Aggregat ist ebenso wenig massentauglich wie das Kohlefasergerüst, das ihn trägt. Richtig leicht ist er nämlich nicht – rund 1,6 Tonnen mit sämtlichen Flüssigkeiten bringt er dann schon auf die Waage.

Lediglich 500 Exemplare gebaut

Mit einer von vornherein limitierten Stückzahl von 500 Exemplaren und einem Grundpreis von 375.000 Euro battle der LFA dann auch deutlich exklusiver angelegt als zeitgenössische Ferrari oder Lamborghini vom Schlage eines 458 oder Gallardo V10, die allesamt in der gleichen Leistungsliga spielen wie der LFA. Allein die Genussliga des LFA ist eine für sich – das wird klar, sobald der Zehnender die Arbeit aufnimmt. Und es ist nicht so, als würde der 560 PS-Brocken lauthals schreien, wie man es von einem Supersportler erwarten würde. Stattdessen summt er nobel, und Gasstöße quittiert der großvolumige Sauger mit unaufgeregter, aber zugleich betörender Tonalität vornehmer Zurückhaltung.

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Selbst wenn das Heck des Lexus LFA außergewöhnlich ist, haben die Designer doch auf schreiende Extrovertiertheit verzichtet.

(Foto: Patrick Broich)

Staringenieur Haruhiko Tanahashi legte offenbar keinen Wert auf ausgeprägte Extrovertiertheit. Auch die Designer kamen diesem Wunsch nach, used to be man an vielen Itsy-bitsy print erkennt. Statt burschikosem Auspuff zieren das Heck lediglich drei spannungsreich in den Heckstoßfänger eingearbeitete Öffnungen. Mächtig wirkt der Sportler aber schon. Das liegt indes mehr an der großflächigen, flach gehaltenen Heckscheibe, die Reminiszenzen an einen gewissen italienischen Sportwagen-Stil der ausgehenden Sechziger- und frühen Siebzigerjahre (Lamborghini Espada oder Maserati Ghibli) anklingen lässt als an seiner physischen Breite von 1,90 Meter.

Wenn es dann klackt

Doch so langsam möchte der LFA bewegt werden – eine eigentliche banale Sache, die bei derartigen Ikonen dennoch nicht allzu oft vorkommt. Das Entern des Sportlers gelingt jedenfalls besser, als das bei manch anderen Extrem-Autos der Fall ist. Angekommen im sündhaft teuren LFA, fühlt es sich ein bisschen an wie in einem deutlich günstigeren Lexus. Zwischen reichlich Wildleder – oben in Grau, weiter unten in rot – lugt im Bereich der Mittelkonsole rapidly schon verschämt eine Carbon-Dekorleiste hervor.

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Der Innenraum des Lexus LFA mag nicht so edel sein, wie man es erwartet, aber man fühlt sich durchaus wohl und intestine aufgehoben.

(Foto: Parick Broich)

Doch keine Sorge, auch die Türbeläge sind in Carbon gehalten, ebenso wie das unten flache Lenkrad. Turned into as soon as die Bedienung betrifft, so beherrscht der LFA gute Lexus-Tugenden. Will heißen, es gibt viele wild durcheinander gewürfelte Knöpfe und das typische Bedien-Pad – Nippon-Technik-Vogue eben, die man entweder liebt oder hasst. Die Bildschirmgrafik des zwar immer noch tadellos arbeitenden Navigationssystem verrät, dass der außergewöhnliche Sportwagen eben doch ein werdender Youngtimer ist.

Aber das ist alles schnödes Beiwerk, wenn die Hand endlich zum Shuffle greifen und den ersten Gang einlegen darf. Es klackt mechanisch, hier überträgt ein verlustarmes automatisiertes Sechsgang-Schaltgetriebe die 480 Newtonmeter des so himmlisch klingenden Zehnzylinders. Doch bevor der Japaner mit Hinterradantrieb richtig von der Leine darf, wollen 13,5 Liter Öl sachte angewärmt werden. Dass der eher sinnlich als krakeelig klingende Direkteinspritzer mächtig schiebt, merkt man bei der geringsten Bewegung des rechten Pedals.

Vom Softie zum giftigen Boliden

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Der V10 des Lexus LFA wurde zur Gewichtsoptimierung weit nach hinten, in Richtung Innenraum, gerückt.

(Foto: Patrick Broich)

Nach 15 Kilometern Fahrt in Richtung Einsamkeit stimmen nicht nur die Straßenverhältnisse, sondern auch die Schmiermitteltemperatur. Dann zeigt sich, wie bissig und drehfreudig der Zehnzylinder arbeitet und aus dem LFA einen giftigen Boliden zaubert. Wer will, kann ihn in kaum mehr als zwölf Sekunden auf 200 km/h katapultieren. Fahrleistungen, mit denen man schnell im führerscheingefährdenden Bereich unterwegs ist, vor allem in wenig befahrenen Gegenden.

Gen Drehzahlende verändert der V10 seinen Sound dann doch – aus vornehmem Fauchen wird ein gellendes Tönen, der Adrenalinspiegel steigt. Unter hoher Final auf Zug operiert das aktuatorgesteuerte Schaltgetriebe ziemlich flink, ganz anders, wenn man gemütlich im Automatikmodus unterwegs ist – okay, dann ist auch kein extremes Tempo gefragt.

Der weitgehend handgemachte Bolide als Cruiser für jeden Heed, wie wär’s? Kann man machen, zumal das Fahrwerk keineswegs durch plumpe Härte auffällt. Blöd nur, dass der Weseler Lexus-Händler Lackas (er stellte auch freundlicherweise das Fotofahrzeug zur Verfügung) die Kleinigkeit von 899.000 Euro für seinen LFA überwiesen haben möchte. Aber nicht umsonst spricht man schließlich von einem Traumauto.

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Von admin

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