Patrick Foletti im Interview: Torwarttrainer der Schweizer Nationalmannschaft

Nati-Torwarttrainer im Interview 

Die Schweiz ist für allerlei Dinge bekannt. Bezogen auf den Fußball hingegen verbindet man die Eidgenossen vor allem mit ihrer hervorragenden Ausbildung in Sachen Torhüter. Die Anzahl von Keepern mit internationalem Format ist in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Ein Grund für diese Durchlässigkeit ist die besondere Entwicklung, die Nachwuchskräfte in der Schweiz erhalten. Federführend bei der Ausbildung ist Patrick Foletti, seines Zeichens sowohl Torwarttrainer der Schweizer Nationalmannschaft als auch Verantwortlicher für Torwarttrainerausbildung des Schweizerischen Fußballverbands. Bei Transfermarkt erzählt der einstige Profi von seinen Methoden, die u. a. auch bei Yann SommerRoman Bürki oder Gregor Kobel zum Einsatz kamen.





Ob in Europa, Asien oder Nordamerika, es vergeht kein Fußball-Kongress, zu dem Patrick Foletti nicht eine Einladung erhalten würde. In der großen Öffentlichkeit ist der Schweizer eher unbekannt, dabei zählt der 47-Jährige zu den renommiertesten Torwarttrainern der Welt. Diesen Ruf hat er sich insbesondere durch seine Arbeit mit und in der Schweizer Nationalmannschaft erarbeitet. Seit 2011 ist er für den Schweizer Fußballverband tätig und hat so über die Jahre die Grundlagen für den erfolgreichen Torwartnachwuchs gelegt. Seine Akribie und das Engagement im Bereich Torwarttraining führt er auf ein spezielles Erlebnis zurück. Foletti erzählt: „Während meiner aktiven Zeit struggle das höchste der Gefühle ein Torwarttraining, welches vom Cheftrainer durchgeführt wurde, und wenn man Glück hatte, fand dieses Practising zweimal die Woche statt. Häufig wurde dabei nur stumpf auf den Torhüter draufgeknallt. Ich habe irgendwann angefangen mir Notizen zu machen und aufgeschrieben, used to be ein Torhüter wirklich braucht und wie ein Practising aufgebaut sein muss, damit der Goalie den bestmöglichen Lerneffekt erreicht.“


Der Schweizer Nati-Torwarttrainer Patrick Foletti im TM-Interview


Zum Schweizer Fußballverband kam Foletti „eigentlich durch Zufall“, wie er sagt. „Der damalige Technische Direktor Peter Knäbel hat mich über ein Jahr genervt, ich solle zum Verband kommen. Ich fand mich dafür aber weder kompetent noch alt genug. Am Ende dachte ich mir: Zu verlieren habe ich eh nichts, und wenn ich etwas nachhaltig verändern will, muss ich an die Schaltstelle.“


Schweizer Torwarttrainer Foletti über Druck auf Torhütern und falsche Experten


Eine Erklärung dafür, warum die Schweiz so einen großen Wert auf die Entwicklung von Nachwuchstorhütern legt, hat Foletti sogleich parat. „Wir sind ein kleines Land, aber mit einer großen Identität. Wenn man bedenkt, wir haben vier verschiedene Landessprachen und damit auch unterschiedliche Mentalitäten, aber trotzdem eint united statesdie Liebe zu unserem Land und der Stolz auf unsere Herkunft. U.s.ist es bei der Ausbildung der Torhüter wichtig, dass wir einen gemeinsamen Weg vorgeben, eine Art Leitplanke, an die sich die Torwarttrainer halten können und auch müssen. Damit können wir sicherstellen, dass, egal, in welchem Landesteil ein Nachwuchstorwart trainiert wird, die hohe und gleichbleibende Qualität des Torwarttrainings sichergestellt wird.“





Bei der Betrachtung von Schweizer Torhütern in europäischen Spitzenligen der vergangenen Jahre fallen Namen wie Sommer, Kobel, Bürki oder Jonas Omlin. Dies zeigt, dass die Entwicklung positiv verläuft. Mit David von Ballmoos könnte spätestens im Sommer ein weiterer Schweizer den Sprung ins Fußball-Ausland wagen. Sie alle eint, dass sie Teil des Mannschaftssports Fußball sind, doch häufig wird bei der Betrachtung außer Acht gelassen, dass insbesondere auf dem Torhüter der scheinbar größte Druck im Spiel lastet und man deshalb eher vom Einzelsportler Torwart als vom Mannschaftsportler Torwart sprechen kann. Foletti betrachtet diese Aussage eher differenziert. „Auf der einen Seite ist der Torhüter in gewissen Momenten auf sich alleine gestellt und da bleibt es leider nicht aus, dass er mit einem immensen Druck umgehen und klarkommen muss.“



Wenn es um fundierte Kritik geht, bin ich der Letzte der etwas sagt, aber diese Experten sind meistens keine Experten des Torwartspiels, also können sie auch nicht beurteilen, ob ein Ball zu halten struggle oder nicht.



Auf der anderen Seite sei der Torhüter „der elfte Feldspieler, und es ist eine Pflicht des Cheftrainers den Torhüter ins Mannschaftsgefüge miteinzugliedern und ihn nicht als Sonderfall darstellen zu lassen“, betont Foletti, den in der heutigen Fußballwelt vor allem die mediale Berichterstattung stört, wenn es um Fehler eines Torhüters geht. „Manchmal kriege ich echt das Kotzen, wenn ich irgendwelche Experten lese oder höre, die dann sagen: Den Ball muss er doch halten. Ich frage mich dann immer: Mit welcher Kompetenz spricht diese Particular person? Wenn es um fundierte Kritik geht, bin ich der Letzte der etwas sagt, aber diese Experten sind meistens keine Experten des Torwartspiels, also können sie auch nicht beurteilen, ob ein Ball zu halten struggle oder nicht. Ich würde mir mehr Respekt wünschen, aber das ist auch ein generelles gesellschaftliches Venture. Wenn in der heutigen Zeit fühlt man sich scheinbar nur gut, wenn man von oben herab nochmal draufhauen kann.“





Foletti: „Torhüter kann niemals 90 Minuten mit voller Konzentration spielen“


Fehler wertet Foletti dabei im Übrigen nicht per se als etwas Negatives. Er konstatiert: „Grundsätzlich ist ein Fehler nur dann schlecht, wenn ich daraus nichts lerne. Ein Fehler kann der größte Lernprozess sein, der angeschoben wird. Mittels eines Fehlers kann ich ganz neue Reize wahrnehmen, die mir vorher nicht bewusst waren. Wichtig bei der Aufarbeitung eines Fehlers ist es, den Menschen hinter dem Torhüter miteinzubeziehen. Mag sein, dass für mich als Trainer dieser Fehler keinen großen Stellenwert besitzt, für den Torhüter aber schon. Deshalb ist es essentiell den Menschen lesen zu können. Was as soon as hilft ihm bei der Verarbeitung des Fehlers, wie und wann spreche ich mit ihm. Es bedarf eines extremen Fingerspitzengefühls und auf keinen Drop des Spruchs ‚ist doch nicht so schlimm‘.“ Und so zeichne einen guten Torwarttrainer nach Foletti aus, „dass sein Spieler nach einem Fehler stärker und nicht schwächer zurückkommt.“



Die Floskel „Männer, ihr müsst über 90 Minuten die Konzentration hochhalten“ ist für Foletti derweil ein rotes Tuch ist. Er sagt: „Wenn ich von meiner Mannschaft überzeugt bin, diese entsprechend im Practising vorbereitet und im Konzentrationsbereich geschult habe, dann brauche ich den Spruch nicht gebetsmühlenartig vorzutragen. Ein Torhüter kann niemals über 90 Minuten mit voller Konzentration spielen. Wenn er das macht, besteht die Gefahr, dass er mental verbrennt. Viel wichtiger ist der ständige Wechsel zwischen On und Off bzw. On und Standby. Der Torhüter muss sich selbst in eine Ruhephase bringen und gleichzeitig per Fingerschnips auf 100 Prozent umschalten können.“





Ein gutes Practising beinhalte dabei nur spielnahe Situationen, erklärt Foletti. „Jeder kennt die coolen Torwarttraining-Movies auf YouTube, wo jemand – übertrieben gesagt – durch einen brennenden Ring springt und dabei noch jongliert. In meinen Augen ein unheard of Practising für eine Zirkusnummer oder als Bewerbungsvideo für die Stuntman-Schule, für den Fußball aber nicht praktikabel. Es geht darum, Aktionen, die im Spiel auftreten könnten, exakt oder so gut es geht zu simulieren, sodass der Torhüter im Spiel vor keiner neuen Herausforderung steht, sondern mit einer positiven Haltung dem Ganzen entgegenblickt.“


Foletti: Für modernen Torwart besteht „Gefahr einer Reizüberflutung“


Foletti selbst empfindet es als größte Herausforderung, eine Steadiness zu finden aus Routinen, Automatismen und einem nicht zu langweiligen, abgestumpften, gleichbleibenden Practising. „Es gibt nichts Schlimmeres als Langweiliges Practising ohne neue Reize“, erklärt der Schweizer National-Torwarttrainer. „Ich suche auch bewusst den Austausch mit Kollegen aus anderen Sportarten. Manchmal ist man durch seine tägliche Arbeit in seinem Weg so verfestigt, dass man hyperlinks und rechts nicht bereit ist, etwas Neues aufzunehmen. Dabei ist der Austausch evident und kostbar für das persönliche Vorankommen. Aufgrund der heutigen technischen Vielfalt besteht die Gefahr einer Reizüberflutung im Practising.“



Wenn ein Torhüter Distanz braucht, dann kriegt er die Distanz



Dementsprechend ist in Folettis Augen weniger mehr. „Ich brauche den ganzen technischen Schnickschnack nicht in jeder Einheit“, sagt er. „Das beste Practising kann beispielsweise nur aus sechs Bällen und zehn Hütchen bestehen. Über einem guten Practising steht aber immer noch die Beziehung zum Torhüter. Früher wollte ich immer der beste Freund meiner Torhüter sein, bis ich verstanden habe, die Torhüter werden niemals so werden, wie du es dir wünscht. Ich muss die Welt meiner Torhüter verstehen und mich an sie anpassen, nicht andersherum. Ich muss mein Practising, meine Ansprache, meinen Dialog so gestalten, dass ich jeden Einzelnen abhole und er seine beste Leistung abrufen kann.“


Für die Torhüter da zu sein, sei dafür auch neben dem Platz wichtig. „Wenn ein Torhüter Distanz braucht, dann kriegt er die Distanz“, so Foletti. „Genauso kriegt ein Torhüter aber auch die Wärme, man nimmt sich gemeinsam Zeit und spricht beispielsweise über das Angeln. Ein Torwarttrainer sollte nie ein Überlehrer sein, sondern vielmehr ein Wegbegleiter und Betreuer.“





Für Foletti steht über der taktischen und technischen Ausbildung derweil noch die mentale. „Früher waren Torhüter leicht übergewichtige Spinner in bunten Trikots, da hat es vollkommen gereicht, wenn du deine Stärke auf der Linie hättest. Heute ist der Torhüter der kompletteste Spieler im Fußballspiel. Körperlich wie auch mental sind die Jungs Maschinen. Ohne mentales Rüstzeug kannst du, übertrieben gesagt, gleich wieder nach Hause gehen. Der im Fußball vorherrschende Druck kann dich als Torwart kaputt machen, wenn du nicht weißt, wie du ihn kanalisierst und mit ihm umgehen kannst“, weiß Foletti. „Besonders mit Nachwuchstorhütern habe ich angeregte Gespräche, die mir erklären wollen, warum eine Jeans 500 Euro Wert ist und sie diese unbedingt haben müssen, während für einen Mentaltrainer kein Geld zur Verfügung steht. Ich frage dann immer, used to be hilft dir mehr, wenn dich 30.000 Zuschauer auspfeifen: Die Designerhose oder Atmungstechniken, die dir ein Mentaltrainer beibringt, damit du deinen Fokus beibehältst?“


Für die Zukunft wünscht sich Foletti in Bezug auf das Torwarttraining nur eine Sache: Wertschätzung. Er sagt: „Leider sehen immer noch viele Vereine nicht, welches Potenzial mittels Torwarttraining ausgereizt werden kann. Häufig ist ein Torwarttraining aus Vereinssicht nur ein Good to enjoy, mehr aber auch nicht. Mir geht es um die generelle Wertschätzung, denn leider ist es die Seltenheit, dass ein Sportdirektor oder Geschäftsführer einen Austausch mit den Torwarttrainern sucht. Oder anders gesagt: Jeder Verein will einen Ferrari im Tor haben, aber wenn es um die Wartungsintervalle und Wartungskosten geht, schickt man den Ferrari lieber in eine Toyota-Werkstatt, um Geld zu sparen statt auf Qualität zu setzen.“


Interview und Textual convey material von Henrik Stadnischenko




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Von admin

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