Muss man wirklich wollen: Mercedes EQV-Camper

Freitag, 07. Januar 2022


Muss man wirklich wollen

Mercedes EQV-Camper – ein teurer Spaß

Viele rein elektrisch angetriebene Reisemobile gibt es noch nicht. Bei Mercedes ist man aber davon überzeugt, dass auch das Caravaning der Zukunft elektrisch ist und sieht sich mit dem EQV-Camper als Wegbereiter. Allerdings müssen die Käufer Enthusiasten und gut betucht sein.

Während die Autohersteller in ihren Ankündigungen die Verbrenner gar nicht schnell genug aufs Abstellgleis schieben können, steckt das Thema Elektrifizierung in der Reisemobilbranche noch in den Kinderschuhen. Der Wohnmobil-Urlauber zählt in der Regel zu den Langstrecklern und da hat sich tatsächlich der Dieselmotor als idealer Antriebspartner bewährt. Doch für Klaus Rehkugler, Vertriebs- und Marketingleiter bei den Mercedes-Benz Vehicles, steht trotz begrenzter Reichweiten und langer Ladezeiten fest: „Die Zukunft ist elektrisch, auch in der Reisemobilbranche.“

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Der Mercedes EQV wird von der Schweizer Firma Sortimo zum Camper umgebaut.

(Foto: Mercedes)

Deshalb starten die Stuttgarter jetzt mit dem S-Camper, der eigentlich auf der Freizeitmesse CMT seine Deutschland-Premiere feiern sollte, als Wegbereiter in die vollelektrische Camper-Zukunft. Auf Foundation des V-Klasse-Vehicles EQV ist das stromernde Wohnmobil im Van-Layout in Kooperation mit der Sortimo Walter Rüegg AG entstanden. Der Schweizer Umbauspezialist, dessen Kerngeschäft bislang vor allem Werkstatt- und Serviceumbauten betraf, verlagert seine Aktivitäten mehr und mehr ins Camping-Umfeld und bietet für den EQV S-Camper ein Aufstelldach sowie für das Heckabteil eine Multifunktionsbox als Schlaf- und Kücheneinheit an.

Küche in Schubladen

Für die von der Heckklappe aus zugängliche Küche sieht das modulare Umbaukonzept von Sortimo ein Schubladensystem vor, das neben Verstaumöglichkeiten für Besteck, Kochutensilien und Vorräten auch eine Spüle, zwei gasbetriebene, herausnehmbare Kochfelder sowie eine Kühlbox umfasst. Über der Kücheneinheit ist das Schlafsystem montiert, das mit wenigen Handgriffen zu einer Liegefläche über die gesamte Fahrzeugbreite ausgeklappt werden kann. Wichtig: Im zusammengefalteten Zustand können die Fondsitze uneingeschränkt genutzt werden.

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Die Küche des Mercedes EQV S-Camper ist von den Hecktüren aus zugänglich.

(Foto: Mercedes)

Trotz des hohen Leergewichts des Vollformat-Stromers von knapp 2,7 Tonnen sollte die Zuladung für den Van in der 3,5-Tonnen-Klasse auch mit allen Einbauten noch genug Luft lassen. „Unsere Module sind um Kilos leichter als die der Konkurrenz. Das zahlt sich gerade bei E-Vehicles aus, denn jedes gesparte Kilogramm bedeutet mehr Reichweite“, weist Roger Mosimann von Sortimo auf die besondere Leichtbauweise der Multifunktionsbox und der optionally obtainable ebenfalls erhältlichen Solarpanels hin. Letztere sorgen mit rund 400 Watt Leistung für zusätzliche Autarkie. Sie encumbered sowohl die Starterbatterie als auch die Zusatzbatterie für den Campingbetrieb.

Im Durchschnitt 340 Kilometer Reichweite

An der Fahrzeugtechnik des Mercedes EQV nimmt Sortimo keinerlei Veränderungen vor. So hat der Kunde die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Batterie-Varianten. Der EQV 300 kommt mit einer 90-kWh-Batterie auf eine WLTP-Reichweite von 326 bis 363 Kilometern, die sich aus einem Normverbrauch von 27,1 bis 26,3 kWh ergibt. Der EQV 250 mit einer 60-kWh-Batterie schafft emissionsfreie 213 bis 236 Kilometer (27,6 -26,9 kWh/100 km).

Beide Modelle sind in der „normalen“ 5,14 Meter langen sowie in einer extralangen 5,37 Meter messenden Variante bestellbar. An der Schnellladesäule mit maximal 110 kW Ladeleistung lädt der EQV 300 in etwa 45 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Über das Infotainmentsystem MBUX als zentrale Steuereinheit lässt sich der EQV in ein Machine aus intelligenter Navigation mit aktivem Reichweitenmanagement sowie Cloud-basierten Diensten und Apps einbinden.

E-Camper ist deutlich teurer

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Wer die Umbauten in Gänze ausnutzt, der kann bei seinem Mercedes EQV S-Camper ganz schnell 135.000 Euro los sein.

(Foto: Mercedes)

Allerdings müssen die Freunde nachhaltigen Campings für den Mercedes EQV S-Camper deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die stromernde V-Klasse schlägt alleine schon mit mindestens 71.400 Euro zu Buche, kommt aber noch für die Umweltprämie von 7500 Euro in Betracht, weil der maßgebliche Nettobetrag mit rund 57.000 Euro unter der roten Linie von 65.000 Euro liegt.

Keinerlei Fördergelder gibt es dagegen für die Umbauten, und die fallen bei den Schweizern mit umgerechnet rund 4600 Euro für das Schlaf- und Küchensystem sowie gar mindestens 9600 Euro für das Aufstelldach saftig aus. Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Langversion, große Batterie, Solarzellen und und und, das alles treibt den Preis in die Höhe. Das jüngst auf dem Berner Caravan-Salon präsentierte, voll ausgestattete Fahrzeug kostet umgerechnet rund 135.000 Euro. Erschwerend kommt hinzu, dass sämtliche Umbauten ausschließlich in der Schweiz bestellbar sind.

Ob es der überschaubaren Landesgröße liegt, die Inlandsurlaube in der Schweiz auch mit einem Elektro-Camper unproblematisch ermöglichen, sei einmal dahingestellt. Die Eidgenossen beweisen jedenfalls großes Engagement für entsprechende Camper-Umbauten.

Denn fast schon in der Nachbarschaft hat auch Yellowcamper gemeinsam mit der Lorenz Nutzfahrzeug AG ebenfalls einen EQV zum Campingbus umgerüstet und für knapp 100.000 Schweizer Franken (circa 96.000 Euro) auch bereits das erste Exemplar verkauft. Der Yellowcamper ist nahezu gleich konzipiert wie der S-Camper, nutzt ein ähnliches modulares Machine mit der Küche unter der Heckklappe.

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Von admin

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