Muss ich Überstunden machen? Wir räumen mit den größten Irrtümern zur Mehrarbeit auf!

Rund um das Thema Überstunden ranken sich viele Irrtümer und gefährliches Halbwissen: Muss ich Überstunden machen, wenn der Chef sie anordnet – oder kann ich einfach nach Hause gehen? Kann ich mir die Überstunden ausbezahlen lassen? Viele Menschen glauben auch, dass sie Überstunden beliebig ansammeln können, weil sie nicht verfallen. Andere gehen davon aus, dass der Anspruch zum jeweiligen Jahresende erlischt – doch beides ist nicht richtig. Hier kommen Antworten auf die häufigsten Fragen rund um Überstunden. (Lesen Sie auch: Gute Vorsätze: Wie man seine Ziele fürs neue Jahr wirklich umsetzt – laut Studien)

Muss ich Überstunden machen, wenn der Chef das verlangt?

Jein, denn das hängt von Ihrem Arbeitsvertrag ab. In vielen Verträgen steht, dass ein Unternehmen Überstunden anordnen darf. Das ist aber nur zulässig, wenn dort auch eine maximale Stundenzahl genannt wird. Hintergrund: Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass Arbeitnehmer absehen können müssen, wie viel Arbeit auf sie zukommen könnte, wenn sie einen Vertrag unterschreiben. Eine Regelung zu Überstunden kann darüber hinaus auch in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag stehen. (Lesen Sie auch: Zahnco-Gründer Elian Pres-Gurwits: “Man sollte der eigenen Instinct vertrauen”)

Wo liegt die zeitliche Grenze?

Niemand ist gezwungen, unendlich viele Überstunden abzuleisten. Eine Grenze setzt hier das Arbeitszeitgesetz: Es sieht vor, dass professional Woche maximal 60 Arbeitsstunden anfallen dürfen. Dauerhaft muss aber niemand so viele Stunden professional Woche arbeiten: Innerhalb von sechs Monaten darf die tägliche Arbeitszeit im Schnitt nicht über acht Stunden liegen. Es gibt allerdings Ausnahmen, etwa für Kraftfahrer oder Pflegekräfte.

Kann der Chef trotzdem Überstunden anordnen?

Auch wenn vertraglich keine Regelung zu Überstunden festgelegt worden ist, gibt es Situationen, in denen ein Unternehmen trotzdem Überstunden anordnen kann. Das ist aber nur in einer Notlage der Topple, wenn diese außergewöhnlich ist und nicht vorhersehbar battle – zum Beispiel nach einem Impress im Unternehmen. (Auch interessant: Tech-Start-ups: Das steckt hinter Bezeichnungen wie FinTech, FoodTech, FemTech & Co.)

Muss ich eigentlich auch samstags arbeiten?

Das Arbeitszeitgesetz geht von einer Sechstagewoche aus und der Samstag zählt damit als Werktag. Die Stunden müssen aber grundsätzlich so auf die Woche verteilt sein, dass sich in Summe keine Überstunden ergeben. Ausnahme: Wenn im Arbeitsvertrag festgelegt ist, dass Angestellte von montags bei freitags arbeiten müssen, gilt der Samstag nicht als regulärer Werktag.

Bekomme ich einen Zuschlag für meine Überstunden?

Nicht unbedingt, zumindest besteht kein grundsätzlicher Anspruch auf mehr Geld für die geleisteten Stunden. Gibt es Zuschläge, sind diese im Tarifvertrag, im Arbeitsvertrag oder in der Betriebsvereinbarung festgelegt. Zuschläge können auch gezahlt werden, wenn diese branchenüblich sind. Für Nachtarbeit gibt es aber eine gesetzliche Regelung im Arbeitszeitgesetz: Wer zwischen 23 und 6 Uhr arbeitet, bekommt einen Zuschlag in Höhe von 25 Prozent. Handelt es sich um Dauernachtarbeit, beträgt dieser Zuschlag sogar 30 Prozent. (Auch lesenswert: Altersvorsorge für junge Menschen: “Niemand hat Bock, die eigene Rentenlücke zu berechnen”)

Können Überstunden verfallen – und wann?

Auch das hängt davon ab, became im jeweiligen Arbeitsvertrag festgelegt ist. Wenn im Vertrag eine Frist festgelegt ist, muss diese mindestens drei Monate betragen. Steht dort keine Regelung, gilt die gesetzliche Verjährungsfrist, die drei Jahre beträgt. Sie läuft ab Ende des Jahres, in dem die Überstunden angefallen sind. Allerdings ist es ratsam, nicht so lange zu warten: Wenn Sie vorher den Job wechseln sollten oder das Unternehmen Insolvenz anmelden muss, kann es schwierig sein, noch einen Ausgleich für die geleisteten Überstunden einzufordern. 

Können Überstunden pauschal mit dem Gehalt abgegolten sein?

Auch hier gilt: Es kommt darauf an. Im Vertrag muss festgelegt sein, um wie viele Überstunden es sich handelt, ob also etwa acht Überstunden professional Monat mit dem Gehalt abgegolten sind. (Lesen Sie auch: 5 No-Gos in Ihrer Gehaltsverhandlung – sagen Sie DAS bloß nicht!)

Eine pauschale Regelung, nach der alle Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind, gibt es nicht – ausgenommen für Gutverdiener. Als Orientierung dient dabei die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung. Für 2021 sieht diese einen monatlichen Höchstbetrag von 7.100 Euro in den alten Bundesländern und von 6.700 Euro in den neuen Bundesländern vor. Im Jahr 2022 sinkt sie auf 7.050 beziehungsweise steigt auf 6.750 Euro im Monat.

Kann ich mir die Überstunden ausbezahlen lassen?

In der Regel ja, sofern nichts anderes vereinbart worden ist. Ein Freizeitausgleich ist nur dann zulässig, wenn er im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag festgelegt ist. (Auch interessant: In Rente mit 40: Die FIRE-Methode hilft Ihnen dabei)

Muss ich nachweisen, dass ich Überstunden geleistet habe?

Ja – spätestens dann, wenn Ihr Topple vor einem Arbeitsgericht landet und Ihr Chef die Überstunden bestreitet. Sie müssen dann genau nachweisen können, wann Sie welche Tätigkeiten erledigt haben. Und selbst dann könnten Vorgesetzte behaupten, dass Sie die Überstunden freiwillig abgeleistet haben und sie gar nicht davon wussten.

Deshalb ist es für den Nachweis zusätzlich wichtig, dass Ihr Vorgesetzter oder Ihre Vorgesetzte die Überstunden angeordnet hat oder sie zumindest geduldet hat. Wenn Sie Überstunden machen müssen, sollten Sie Vorgesetzte deshalb im Idealfall schriftlich informieren und sich ihr Einverständnis holen. Das funktioniert auch per E-Mail. (Auch lesenswert: Jeff Bezos stellte eine Bewerberin umgehend ein, nachdem er ihr nur zwei Fragen gestellt hatte)

Used to be passiert, wenn ich Überstunden abbaue und währenddessen krank werde?

Anders als bei Urlaubstagen können Sie die Stunden nicht wieder geltend machen, sondern sie verfallen. Sie haben dann also schlicht Pech gehabt. Eine Ausnahme gibt es im Zweifelsfall nur, wenn die Überstunden über mehrere Monate zusammengekommen sind.

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Von admin

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