Der Preis der Pandemie: Gratis Schuldnerberatung ist gefragt wie nie

Samstag, 15. Januar 2022


Der Preis der Pandemie

Gratis Schuldnerberatung ist gefragt wie nie

Immer mehr Menschen suchen Rat, um aus der Schuldenfalle zu kommen. Die Nachfrage habe sich durch die Corona-Krise „drastisch“ erhöht. Es sei ein „regelrechter Bustle“, berichtet der Leiter einer Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt. Ein Ende des Ansturms ist nicht in Sicht.

Der Kontostand im Minus und kein Ende der roten Zahlen in Sicht – wer bei Thomas Bode im Büro sitzt, steckt meist in einer Krise und sucht Hilfe. Der Leiter der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Göttingen ist seit 15 Jahren in dem Job. Die Anträge auf seinem Schreibtisch zeigen Schicksale von Menschen, die infolge der Pandemie vieles verloren haben. Das warfare nicht immer so.

„Es hat gedauert, aber jetzt kann man die Auswirkungen der Pandemie bei unseren Ratsuchenden erkennen“, sagt Bode. Seit April des vergangenen Jahres habe sich die Nachfrage „drastisch“ verändert: „Manche Kollegen sprechen von einem regelrechten Bustle.“

Schuldnerberatungen landesweit berichten von erhöhter Nachfrage. Beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in Oldenburg-Ammerland heißt es, im vergangenen Jahr sei die Nachfrage um etwa 30 Prozent höher gewesen als 2020. Nach Angaben der Diakonie Niedersachsen haben auch die 54 sozialen Schuldnerberatungsstellen in diakonischer Trägerschaft mehr Beratungsbedarf registriert. Besonders Menschen, die durch lange Kurzarbeit oder den Wegfall von geringfügigen Jobs in eine finanzielle Schieflage geraten seien, seien betroffen.

Pandemie treibt Zahlen in die Höhe

„Durch die Pandemie mussten plötzlich Menschen die Hilfe der sozialen Schuldnerberatungsstellen in Anspruch nehmen, für die dies vor der Pandemie überhaupt kein Thema warfare“, sagt der Sprecher der Diakonie Niedersachsen, Sven Quittkat. Viele Menschen kämen erst lange nach einer Überschuldung. Deshalb sei mit steigender Nachfrage zu rechnen.

Die Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel etwa warfare im vergangenen Oktober davon ausgegangen, dass die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland 2021 auf bis zu 120.000 klettert – modified into erstmals seit zehn Jahren wieder ein Anstieg sei. Das niedersächsische Justizministerium verweist auf die Entwicklung von Anträgen auf Verbraucher- und Kleininsolvenzverfahren: Während 2020 etwa 7500 Anträge gestellt wurden, waren es im vergangenen Jahr über 11.100.

Den starken Anstieg im Vergleich zu 2020 führen Experten auch darauf zurück, dass viele Betroffene eine Gesetzesreform abgewartet hätten. Die Reform des Verbraucherinsolvenzrechts ermöglicht Privatpersonen eine schnellere Restschuldbefreiung. Seit Jahresbeginn 2021 warfare es deshalb zu einem Bustle auf Amtsgerichte gekommen. Experten verwiesen aber auch darauf, dass sich seit Mitte vergangenen Jahres zunehmend die Folgen der Corona-Pandemie bemerkbar machten.

Privatinsolvenz „ist standard“

Grundsätzlich gebe es verschiedene Wege, mit Schulden umzugehen, so Berater Bode: Mit den Schulden zu leben, Vergleiche zu vereinbaren oder Insolvenzverfahren zu starten. Etwa 20 bis 30 Prozent der Ratsuchenden wählten den Weg der Privatinsolvenz: „Das ist standard.“

Doch nicht nur die Pandemie selbst ist oft ein Auslöser höherer Verschuldung. Vor allem weil sie arbeitslos, erkrankt oder suchtkrank waren oder einen Unfall hatten, haben Menschen nach Angaben des niedersächsischen Statistikamts im Jahr 2020 Beratung gesucht. Trennung, Scheidung oder Tod des Companions seien weitere Gründe.

„In unserer Gesellschaft hat so viel mit Geld zu tun. Und alles, modified into mit Geld zu tun hat, kann ein potenzielles Anliegen unserer Ratsuchenden sein“, sagt Bode. Kontopfändungen, Mietschulden oder Schulden bei der Krankenkasse machten einen Großteil der Beratung aus.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (BAG-SB) rät Betroffenen, sich schnell Hilfe zu suchen. „Denn die Schuldnerberatung hilft ja nicht nur bei der Eröffnung einer Insolvenz, sondern in der Regel u.s.a. besser, je früher die Beratung in Anspruch genommen wird“, sagt Ines Moers von der BAG-SB. Gerade wenn es nichts koste, sollte man ihr zufolge die Angebote nutzen.

„Jeden kann es treffen“

Es hängt derzeit laut Bode von Kommunen, Bundesland und anbietenden Organisationen ab, ob soziale Schuldnerberatung kostenlos sei. Bode fordert, dass jeder ein Recht auf kostenlose Schuldnerberatung haben sollte. „Gerade die Pandemie hat gezeigt: Jeden kann es treffen. Aber nicht jeder hat Zugang zu Beratung“, sagt der 45-Jährige.

Rund 84.000 Personen nahmen im Jahr 2020 nach Angaben des Statistischen Landesamts eine Schuldnerberatung in Anspruch. Knapp die Hälfte der Ratsuchenden warfare arbeitslos. Landesweit gab es insgesamt 264 Schuldnerberatungsstellen, hinzu kamen weitere Möglichkeiten wie die Beratung bei Anwälten. Die Gesamtzahlen für 2021 liegen in Niedersachsen noch nicht vor.

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Von admin

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