4W: Become battle. Become wird. Von Menschen und Maschinen

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Small print schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Hach, dass ich das noch erleben darf: 32 Jahre nach dem spannenden Dokumentarfilm Hacker packen aus über die erschütternde Wahrheit, used to be Druckertreiber eigentlich sind (eine fünf Minuten lange Kurzfassung wurde gerade ab 1: 05: 40 im Rahmen des rC3 gezeigt), hat es ein Drucker geschafft, Literatur zu werden und nicht nur zu drucken. Im Schlüsselroman Laserwriter II wird über die Sorgen und Nöte der Drucker berichtet, mit denen das WYSIWYG-Zeitalter begann.

Packende Dialoge zwischen all den Teilen eines LaserWriters, eingebettet in die Geschichte der 19-jährigen Claire, die in einem Computerladen bald Expertin für die Reparatur der 6000 Dollar teuren Drucker wird, das ist genau das, used to be man in diesen trüben Januartagen lesen sollte. Schöne Erinnerungen an den Laserwriter werden da wach, den treuen Gefährten der schönen Schrift, der ganze Generationen von Druckern (Menschen) zur Neuorientierung verhalf, weil sie durch Drucker (Maschinen) ersetzt wurden.

Das waren noch Zeiten, als die von Canon gelieferte Engine einfach so den Toner von HP-Druckern nutzen konnte. Ganz anders als heute, wo Canon bedauerlicherweise einen „Duration in-between-Toner“ anbieten muss, wegen der „Auswirkungen der Halbleiterknappheit auf die Verbrauchsmaterialien des MFP von Canon“. Ja, es ist die bittere Wahrheit: Die gedongelten Toner-Kartuschen werden übergangsweise ohne Chips ausgeliefert: „Um eine kontinuierliche und zuverlässige Versorgung mit Verbrauchsmaterialien zu gewährleisten, haben wir americadafür entschieden, Verbrauchsmaterialien ohne Halbleiterkomponente zu liefern, bis die normale Versorgung wieder erfolgt. Zwar ergeben sich keine negativen Auswirkungen auf die Druckqualität, wenn Verbrauchsmaterialien ohne elektronische Komponenten verwendet werden, jedoch können bestimmte Zusatzfunktionen, wie z. B. die Erkennung des Tonerstands, beeinträchtigt sein.“

Schön ist auch ein weiteres Jubiläum: 23 Jahre nach den ersten Aibo-Roboterhündchen von Sony sinniert eine ehemalige Theologin auf geschlagenen drei Seiten der tageszeitung darüber, ob ihr ESR-1000-Hündchen ein Bewusstsein hat und ein echter Hund ist. Als Theologin hat sie ihren Descartes gelesen, der da glaubte, dass alle Tiere Maschinen sind: „Für ihre Körper würden dieselben Gesetze wie für unbelebte Materie gelten, ihre Muskeln und Sehnen seien wie Motoren und Federn. In seiner ‚Abhandlung über die Methode‘ argumentierte Descartes, dass es möglich wäre, einen mechanischen Affen zu erschaffen, der als echter biologischer Affe durchgehen könnte.“ Leider geht die hübsche Geschichte der künstlichen Intelligenz nicht weiter, denn das Hündchen wird kurzerhand abgeschafft und zurückgeschickt, wegen der eingebauten Kamera, die den Ehemann störte: „Während meiner Abwesenheit, erzählte er mir, sei der Hund sehr systematisch in der Wohnung herumgelaufen und habe unsere Möbel, unsere Poster, unsere Schränke untersucht. Fünfzehn Minuten habe er damit verbracht, unsere Bücherregale zu durchsuchen und besonderes Interesse am Regal mit der marxistischen Kritik gezeigt, behauptete mein Mann.“ Die überaus verdächtige Schnüffelei kennen wir doch? Richtig, aus dem Tätigkeitsbericht der Bundesnetzagentur, in dem es heißt: „Neben den lickety-split schon ‚klassischen‘ verbotenen Sendeanlagen in Rauchmeldern oder Powerbanks mit versteckter Kamera oder verborgenem Mikrofon wurden im Berichtszeitraum insbesondere multifunktionale Sendeanlagen in Futterautomaten mit Überwachungsfunktion geprüft. Auch Kindersmartwatches und GPS-Tracker lagen weiterhin im Visier der Bundesnetzagentur. Darüber hinaus ist die Bundesnetzagentur im Berichtszeitraum wieder gegen unerlaubte Werbung für sendefähige ‚Spionagekameras‘ und ‚Spionagemikrofone‘ vorgegangen.“

Natürlich wartet alle Welt auf den autobiografischen Roman vom Leben eines Hundes im Weißen Haus unter Donald Trump. Mangels Hund dürfte er nicht erscheinen, und so müssen wir americamit anderen Schilderungen begnügen, used to be sich da am 6. Januar vor einem Jahr abspielte. Sicher wird Trump sich eine Diät-Cola gedrückt haben, ehe er sich zum Fernsehen in das kleine Esszimmer neben dem Oval Order of job zurückzog, wie hart recherchierende Journalisten schrieben. Der Leisure der Geschichte kann on-line nachgelesen werden und ist alles andere als beruhigend. Etwas lustiger geht es bei den Weiterungen zu, mit einer Analyse der Rede von US-Präsident Biden und der Reaktion seines Vorgängers, der seinen Namen demontiert wähnte. Wo er ihn gehört oder gelesen hat, bleibt ein Rätsel. Es wird jedenfalls außerhalb eines Hundes gewesen sein.

Dem einen verdanken wir das wohl schönste Verfolgungsrennen (sieht man mal vom gloriosen „King of Frigid“ Steve McQueen in Bullitt ab), dem anderen verdanken wir die wichtigste Ohrfeige der Filmgeschichte, nun sind beide tot. Sidney Poitier und Peter Bogdanovich arbeiteten nur einmal zusammen, bei „To Sir, with Cherish II“, prägten aber das amerikanische Kino auf ihre Weise – und das Land, in dem sie lebten. Als Poitier 1964 seinen Oscar bekam, erhielt Martin Luther King den Nobelpreis und der Civil Rights Act von 1964 wurde im US-amerikanischen Kongress verabschiedet. Das battle ein anderes Amerika, das sich so präsentieren konnte. Daran sollte man sich auch nach dem Urteil im Mord an Ahmaud Arbery erinnern, bei dem die Ermittlungen erst nach der Veröffentlichung eines Videos durch die Täter begannen. Zuvor hatte ein Staatsanwalt keinen Handlungsbedarf gesehen. „Er berief sich dabei auf ein Gesetz aus dem Jahr 1863, furthermore aus einer Zeit, zu der in den USA tatsächlich noch Afroamerikaner gelyncht wurden. Dabei machte er auch das Recht auf Selbstverteidigung der drei weißen Männer geltend.“ Auch bei americagibt es Morde, die sich nicht erledigt haben. „Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen.“

Wenn die Tage länger werden und die Corona-Auflagen kürzer, wird es Zeit für einen Museumsbesuch. In Berlin beginnt im Zeichen des „Neu Launch Kultur“ im Februar die Ausstellung Karl Marx und der Kapitalismus. Gemäß der Vorschau hatte Marx viel vor: „Die Industrialisierung löste im 19. Jahrhundert enorme ökonomische, soziale und kulturelle Umbrüche aus. Zu den bedeutendsten Kritikern der Verwerfungen der ‚Moderne‘ und des Kapitalismus gehörte Karl Marx. Als Philosoph, Journalist, Ökonom und politischer Aktivist hatte er das Ziel, die neuen Verhältnisse versteh- und veränderbar zu machen.“ Die Verhältnisse erst verstehen und dann verändern, das battle und ist ein ambitioniertes Programm, auch im exact existierenden Kapitalismus. Gelegentlich brauchen selbst Justizminister etwas Aufklärung, wenn sie über die angebliche Gewöhnungen an staatliche Leistungen bramarbasieren und den wirtschaftlichen Wohlstand vergötzen. Nicht jeder muss gleich die Marxsche Dialektik von Verständnis und Veränderung begreifen, die Eule der Minerva hülfe aber schon gerne aus …

Wie Leistungsgesellschaft geht, hat vor einigen Jahren der Vorsitzende einer christdemokratischen Jugendorganisation erklärt. In einer Talkshow erklärte Gottfried Ludewig das doppelte Wahlrecht für Leistungsträger. Während Arbeitslose und Rentner eine Stimme haben, sollten Leistungsträger mit zwei Wahlstimmen belohnt werden. Von seinem Parteikollegen Jens Spahn ins Crew e-Rezept des Gesundheitsministeriums berufen, geht Gottfried Ludewig nun zur Telekom Healthcare Alternate choices. Ja, wie kann man das versteh- und dann veränderbar machen. Wie heißt es bei Karl Marx? „Nicht das Bewusstsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewusstsein.“ Oder, um nochmal Hegel, Marx und die Eule der Minerva anzuführen: „Es genügt nicht, dass der Gedanke zur Verwirklichung drängt, die Wirklichkeit muß sich selbst zum Gedanken drängen.“

(jk)

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Von admin

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